GESCHICHTE

Jüdisches Leben im Surbtal.

Die Geschichte der Synagoge Lengnau ist eng mit der besonderen Geschichte der jüdischen Bevölkerung in der Schweiz verbunden.

1866

1750

um 1850

1847

Erste Synagoge

Einweihung des heutigen Baus

Rund 550 jüdische Menschen leben in Lengnau

Recht auf freie Niederlassung

EINGESCHRÄNKTE NIEDERLASSUNG

Zwei Dörfer werden zu Zentren jüdischen Lebens.

Nachdem jüdische Menschen im 15. Jahrhundert aus den Schweizer Städten ausgewiesen worden waren, war ihre Niederlassung in der Eidgenossenschaft während Jahrhunderten nur sehr eingeschränkt möglich.

Vereinzelt durften sie sich in ländlichen Gebieten und Untertanengebieten niederlassen – unter anderem in der Grafschaft Baden, zu der auch Lengnau und Endingen gehörten.

SCHUTZ UND ABGABEN

Ein Leben unter besonderen Bedingungen.

Die jüdischen Familien unterstanden unmittelbar dem eidgenössischen Landvogt in Baden. Gegen Abgaben erhielten sie Schutz und Geleit sowie das Recht, sich niederzulassen und Handel zu treiben.

1776 wurde die Niederlassung jüdischer Menschen im Gebiet der Eidgenossenschaft auf Lengnau und Endingen beschränkt. Zwischen Baden und dem damaligen Messeort Zurzach gelegen, entwickelten sich die beiden sogenannten Judendörfer zu Zentren jüdischen Lebens.

Bis zur Aufhebung der Niederlassungsbeschränkungen im Jahr 1866 waren Lengnau und Endingen die einzigen Orte in der Schweiz, an denen sich jüdische Menschen dauerhaft niederlassen durften.

«Mein Haus wird ein Bethaus genannt für alle Völker.»

Jesaja 56,7 · Inschrift über dem Eingang der Synagoge

DIE ERSTE SYNAGOGE

1750 entsteht das erste Gotteshaus.

Bereits 1750 erhielt die jüdische Gemeinde die Erlaubnis, in Lengnau eine Synagoge zu bauen. Sie diente nicht nur als Ort des Gebets, sondern wurde zu einem wichtigen Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens.

Mit dem Wachstum der jüdischen Bevölkerung wurde die erste Synagoge zunehmend zu klein. Knapp hundert Jahre später entschied sich die Gemeinde deshalb für einen grösseren Neubau.

DIE HEUTIGE SYNAGOGE

1847

Die Synagoge Lengnau entstand nach Plänen des Zürcher Architekten Ferdinand Stadler. Dass die Wahl auf einen christlichen Architekten fiel, steht auch im Zusammenhang mit der damaligen rechtlichen Stellung der jüdischen Bevölkerung: Jüdische Menschen hatten in der Schweiz noch keine freie Berufswahl.

BAUPLATZ UND ARCHITEKTUR

Ein würdevoll-schlichter Bau im Herzen des Dorfes.

Aus Platzgründen wurde die neue Synagoge nicht am Standort der alten errichtet, sondern auf einem eigens angekauften Bauplatz an prominenter Lage mitten im Dorf.

Durch einen Vorplatz abgesetzt, steht der würdevoll-schlichte Baukörper mitten im Ortskern von Lengnau. Seine Architektur ist in einem aus der Romanik abgeleiteten Rundbogenstil gehalten.

BLÜTEZEIT

Jüdisches Leben prägt Lengnau.

Die Einweihung der neuen Synagoge fiel in die Blütezeit der jüdischen Gemeinde. Um 1850 lebten rund 550 jüdische Menschen in Lengnau – etwa ein Drittel der damaligen Dorfbevölkerung.

Die Synagoge stand damit im Zentrum einer grossen und fest im Dorf verankerten Gemeinde. Sie war nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein wichtiger Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens. Innerhalb ihrer Gemeinden verfügten die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner über eine weitgehende Selbstverwaltung. Sie unterhielten Schulen und eigene Einrichtungen, regelten religiöse und gemeinschaftliche Angelegenheiten und sorgten für Arme und Waisen.

Emanzipation und Abwanderung

Die Freiheit verändert das Surbtal.

Nach der Aufhebung der Niederlassungsbeschränkung im Jahr 1866 wanderte ein grosser Teil der jüdischen Bevölkerung aus Lengnau und Endingen ab. Seit dem frühen 20. Jahrhundert nahm auch die Zahl der Gottesdienste in der Synagoge Lengnau zunehmend ab.

Aufgrund der Abwanderung der jüdischen Bevölkerung wird die Synagoge heute nicht mehr für religiöse Zwecke genutzt. Die jüdische Gemeinde Lengnau ist aufgelöst.

Als bedeutendes Kulturdenkmal erinnert die Synagoge Lengnau jedoch bis heute an die einzigartige Geschichte der jüdischen Bevölkerung im Surbtal und in der Schweiz.

ALS NÄCHSTES

Die Synagoge entdecken.

Ihre Architektur erzählt die Geschichte weiter – zuerst von aussen, danach im Innern.

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